Die Premiere des Stücks „Diener zweier Herren“ im Theater im OP war restlos ausverkauft. Die neue Inszenierung von Noah Schlechtweg begeisterte durch Humor, Schnelligkeit und originelle Einfälle. Besonders auffällig: der nachhaltige Umgang mit Materialien auf und hinter der Bühne.
Inhaltsverzeichnis:
- Truffaldino bringt Mailand nach Göttingen
- Nachhaltigkeit mit Tetrapak und Altpapier
- Bühne mit Papier und Rahmen
- Begeisterung bei Publikum und Ensemble
Truffaldino bringt Mailand nach Göttingen
Die Geschichte basiert auf Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ von 1746. Truffaldino, der listige Diener, versucht in der Inszenierung gleichzeitig zwei Herren zu bedienen – und sorgt dabei für chaotische, urkomische Verwicklungen. Das Stück beginnt noch vor dem ersten Dialog: Mit übertriebenen Bewegungen kündigt ein „Aufwärter“ den Start an. Musik ersetzt Durchsagen – mit Geige, Akkordeon, Bass, Gitarre und Gesang sorgen Antonia Marie Arnoldi, Nikola Freitag, Paula Lennartz, Janik Schlaeger und Martin Schwake für Rhythmus.
Caspar Kotschate überzeugt in der Hauptrolle des Truffaldino. Seine Interpretation ist schlagfertig und voller Energie. Unterstützt wird er durch ein ungewöhnliches Mittel: Papier. Die Schauspieler holen es vom Bühnenrand, formen es zu Briefen, Verträgen oder Suppenlöffeln. Selbst die Figuren seiner beiden Herren bestehen aus Papier – das Truffaldino im Eifer des Gefechts auch mal zerreißt.
Nachhaltigkeit mit Tetrapak und Altpapier
Regisseur Noah Schlechtweg setzt bei der Inszenierung bewusst auf Nachhaltigkeit. Viele Requisiten stammen aus einer Büroauflösung, weiteres Material wurde von den Darstellerinnen und Darstellern selbst beigesteuert. Für Truffaldinos Frack wurden zum Beispiel recycelte Tetrapaks verarbeitet, die wie Leder wirken.
Auch Maske und Kostüme greifen historische Elemente auf. Weiße Perücken, Halskrausen und Mieder orientieren sich an der Mode des 18. Jahrhunderts. Dennoch gelingt es dem Ensemble, Brücken zur Gegenwart zu schlagen – sowohl in Spielweise als auch in der Ausstattung. Immer wieder schimmert ein moderner Bezug durch die traditionelle Fassade.
Bühne mit Papier und Rahmen
Die Bühne ist bewusst schlicht gehalten. Rollbare Podeste mit hohen Rahmen und Papierbahnen ermöglichen schnelle Umbauten. Neue Räume entstehen durch wenige Handgriffe. Das reduzierte Bühnenbild lenkt den Fokus auf die Darsteller und ihre Spielfreude.
Zur Premiere war das Publikum aktiv beteiligt. Es lachte, klatschte, rief – und unterstützte die Schauspielenden sichtbar. Oliver Goepfert, Laura Schrörs, Marielene Groß, Bennet Bode, Lucas Lumme, Mirja Ersing, Lou Wolfert, Monika Giro und Konstantin Ivanisov lieferten mit Energie und Präzision eine mitreißende Vorstellung.
Begeisterung bei Publikum und Ensemble
Die Premiere endete mit langanhaltendem Applaus. Die Mischung aus klarem Spiel, kreativen Ideen und musikalischer Begleitung überzeugte das Publikum. Ob das Ensemble auch ohne „Fanclub“ im Saal die gleiche Energie hält, wird sich zeigen. Doch der Auftakt ist gelungen.
Quelle: HNA