Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus Göttingen hat einen vielversprechenden Fortschritt erzielt, der neue Wege in der Behandlung von Sinnes- und Herzkrankheiten eröffnen könnte. Durch ein neu entwickeltes lichtempfindliches Protein lassen sich Nerven- und Muskelzellen gezielt beeinflussen. Die Entdeckung gilt als bedeutender Schritt in der Entwicklung optogenetischer Therapien für das Hören, Sehen und das Herz-Kreislauf-System.
Inhaltsverzeichnis:
- Tobias Moser und Göttinger Protein mit starker Lichtreaktion
- Beteiligung des Else Kröner Fresenius Zentrums
- Förderstopp durch Exzellenzstrategie
- Potenzielle Einsatzbereiche und offene Fragen
Tobias Moser und Göttinger Protein mit starker Lichtreaktion
Das Protein wurde von einem Team um den Neurowissenschaftler Tobias Moser entwickelt. Er ist Träger des renommierten Leibniz-Preises. Moser forscht an der Universitätsmedizin Göttingen. Das neuartige Protein reagiert besonders intensiv auf Lichtreize. Diese Eigenschaft ermöglicht eine präzise Steuerung der Aktivität von Nervenzellen und Muskelgewebe durch kurze Lichtimpulse.
Laut der Universitätsmedizin Göttingen kann mit dieser Methode Zellaktivität gezielt ein- oder ausgeschaltet werden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, Hör- und Sehvermögen bei Patientinnen und Patienten langfristig wiederherzustellen oder den Herzrhythmus zu regulieren. Die Forschung basiert auf Grundlagen der Optogenetik, einem Bereich, der Licht zur Steuerung biologischer Prozesse nutzt.
Beteiligung des Else Kröner Fresenius Zentrums
Neben Mosers Team war auch das Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien an dem Projekt beteiligt. Die Zusammenarbeit verschiedener Institute spielte eine entscheidende Rolle für den Erfolg. Die Kombination von biophysikalischer Grundlagenforschung und klinischer Anwendung stand im Fokus.
Das Zentrum ist bekannt für die Entwicklung neuer Therapieansätze auf molekularer Ebene. Mit dem Protein wurde ein Werkzeug geschaffen, das potenziell die Behandlungsmöglichkeiten für mehrere Krankheitsbilder erweitert. Die Anwendung ist jedoch noch im experimentellen Stadium. Ein medizinischer Einsatz ist aktuell nicht möglich. Die Forschenden prüfen derzeit, wie sich die Methode in der Praxis umsetzen lässt.
Förderstopp durch Exzellenzstrategie
Trotz des wissenschaftlichen Erfolgs wurde das Projekt nicht weiter durch die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Im Mai erhielt Mosers Exzellenzcluster keine weitere finanzielle Unterstützung. Das bedeutete das vorläufige Ende der Förderung.
Die Universität Göttingen äußerte bereits im Frühjahr Unverständnis über diese Entscheidung. Der Wegfall der Finanzierung betrifft zahlreiche beteiligte Arbeitsgruppen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen dennoch, alternative Förderwege zu finden, um die Entwicklung voranzutreiben.
Potenzielle Einsatzbereiche und offene Fragen
Ob und wann das Protein in der medizinischen Praxis eingesetzt werden kann, ist noch unklar. Die Forschung steht noch vor entscheidenden klinischen Prüfungen. Folgende Anwendungsgebiete gelten als besonders vielversprechend:
- Wiederherstellung des Hörvermögens bei sensorineuraler Taubheit
- Regulierung des Herzschlags bei Herzrhythmusstörungen
- Therapieansätze bei degenerativen Augenerkrankungen
- Kontrolle neuronaler Aktivitäten bei neurologischen Erkrankungen
Die intensive Lichtempfindlichkeit des Proteins hebt es von bisherigen Entwicklungen deutlich ab. Weitere Studien sind notwendig, um Sicherheit, Wirksamkeit und langfristige Effekte zu überprüfen.
Quelle: NDR