Ein junges Unternehmen aus Niedersachsen arbeitet an einer Methode, die medizinische Behandlungen grundlegend verändern kann. Im Mittelpunkt steht ein Verfahren, das auf natürlichen Abwehrmechanismen basiert. Die Entwicklung richtet sich vor allem auf schnelle Reaktionen bei globalen Krankheitsausbrüchen. Gleichzeitig eröffnet sie neue Perspektiven für andere schwere Erkrankungen und reiht sich ein in die Forschungstradition einer Stadt, die seit Jahren als Zentrum der Wissenschaft gilt.
Inhaltsverzeichnis
- Avocet Bio aus Göttingen
- Elisabeth Zeisberg und RNA-Forschung
- Corona-Pandemie als Auslöser
- Sabine Maamari und weitere Anwendungen
Avocet Bio aus Göttingen
Das Start-up Avocet Bio arbeitet in einem Labor in Göttingen mit zehn Beschäftigten an einer RNA-basierten Technologie. Gegründet wird das Unternehmen von Ärzten, Virologen und einer Pharmakologin. Im Zentrum steht ein medizinisches Verfahren, das sich an natürlichen Schutzsystemen orientiert. Diese Systeme existieren seit Milliarden Jahren in Bakterien.
„Bakterien haben seit Milliarden Jahren ein sehr effektives Abwehrsystem gegen Viren. Und genau das konnten wir weiterentwickeln“, sagt Elisabeth Zeisberg.
Die Mitgründerin erklärt zudem die statistische Ausgangslage. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den kommenden 40 Jahren wieder eine Pandemie haben werden, liegt bei 50 Prozent“, erklärt Elisabeth Zeisberg. Diese Einschätzung bildet einen wesentlichen Antrieb für die Arbeit des Teams. Für junge Unternehmen wie dieses spielt dabei auch das regionale Umfeld eine Rolle, in dem Förderung für Start-ups ein wiederkehrendes Thema ist.
Elisabeth Zeisberg und RNA-Forschung
Elisabeth Zeisberg ist Internistin und Professorin an der Universitätsmedizin Göttingen. Ihre Forschung konzentriert sich auf molekulare Prozesse. Die neue Technologie arbeitet auf der Ebene der Ribonukleinsäure. RNA transportiert genetische Informationen bei Menschen und Krankheitserregern wie Viren.
„Wir konnten aus den Bakterien ein Enzym isolieren, das sich sehr genau darauf programmieren lässt, RNA-Sequenzen zu erkennen und diese dann zu zerschneiden“, erklärt die Ärztin. Dieses Enzym bildet die technologische Plattform. Sie lässt sich auf unterschiedliche RNA-Sequenzen einstellen. Daraus können gezielt Wirkstoffe entstehen, die später in Medikamenten eingesetzt werden. Für menschliche RNA und DNA gelten sie nach Angaben der Forscher als ungefährlich.
Corona-Pandemie als Auslöser
Zu Beginn der Corona-Pandemie im Januar 2020 beginnt die praktische Arbeit an dem Ansatz. Zeisberg gehört zu den Medizinern, die einen Beitrag zur Eindämmung leisten wollen. Zwei Jahre später folgt die formale Gründung von Avocet Bio. Der Fokus liegt auf der schnellen Übertragbarkeit der Methode auf neue Erreger. Vergleichbare Entwicklungen aus der Region zeigen, wie stark medizinische Innovationen aus Göttingen wahrgenommen werden, mehr hier.
Ein zentraler Vorteil besteht in der Stabilität der Zielstruktur. „Bei einer Pandemie ist meist zuerst die RNA des Erregers bekannt. Bei den Corona-Viren beispielsweise ist diese über alle Mutationen hinweg gleichgeblieben.“
- gezielte Zerstörung der RNA des Erregers
- Wirksamkeit unabhängig von bekannten Mutationen
- schnelle Anpassung bei veränderten Sequenzen
Ein einzelner Wirkstoff kann dadurch für alle Mutationen wirksam sein.
Sabine Maamari und weitere Anwendungen
Projektleiterin Sabine Maamari beschreibt die Methode als vielseitig einsetzbar. Sie betont die Präzision des Verfahrens. Die Anwendung beschränkt sich nicht auf Viren. Auch chronische Krankheiten sowie Herz- und Nierenerkrankungen stehen im Fokus der Entwicklung. Das gehört zu den erklärten Zielen des Unternehmens.
Die Entwicklung eines Medikaments erfordert jedoch Zeit und Kapital. „In der Regel dauert es etwa fünf bis zehn Jahre, bis ein Medikament auf den Markt kommt“, erklärt die Gründerin. Der finanzielle Aufwand ist hoch. „Ein Medikament zu entwickeln, kostet insgesamt mindestens eine Milliarde Euro, wenn nicht sogar zwei“, so Zeisberg. Avocet Bio erhält im vergangenen Jahr 20.000 Euro als Gewinner des Niedersächsischen Innovationspreises. Diese Summe deckt nur einen kleinen Teil der Kosten. In vielen Fällen führt dieser Aufwand dazu, dass junge Unternehmen ihre Technologie an große Pharmafirmen weitergeben.
Standort auf Google Maps prüfen:
Karte: Google Maps / Standort des Objekts
Quelle: NDR, EXTRATIMEOUT
FAQ
Womit beschäftigt sich Avocet Bio?
Avocet Bio ist ein Start-up aus Göttingen, das eine RNA-basierte Technologie zur gezielten Entwicklung von Wirkstoffen erforscht.
Was ist der Kern der RNA-Technologie?
Im Mittelpunkt steht ein aus Bakterien isoliertes Enzym, das programmierbar ist und spezifische RNA-Sequenzen zerschneiden kann.
Warum ist die Methode für Pandemien relevant?
Die RNA vieler Viren bleibt trotz Mutationen stabil, sodass ein Wirkstoff gegen mehrere Varianten wirksam sein kann.
Wer hat Avocet Bio gegründet?
Mitgründerin ist die Internistin und Professorin Elisabeth Zeisberg gemeinsam mit Ärzten, Virologen und einer Pharmakologin.
Welche weiteren Anwendungen sind geplant?
Die Technologie soll auch bei chronischen Erkrankungen sowie Herz- und Nierenerkrankungen eingesetzt werden.
Wie lange dauert die Entwicklung eines Medikaments?
Die Markteinführung eines Medikaments dauert in der Regel fünf bis zehn Jahre.
Wie hoch sind die Kosten für ein neues Medikament?
Die Entwicklung eines Medikaments kostet mindestens eine Milliarde Euro und kann bis zu zwei Milliarden Euro erreichen.