Bunte Demonstration für Vielfalt in Göttingen
Bunte Demonstration für Vielfalt in Göttingen, Pixabay/Foto illustrativ

Am Samstag feierte Göttingen die siebte Ausgabe des Christopher Street Day. Nach Schätzung der Polizei nahmen rund 3000 Menschen teil, deutlich mehr als im Vorjahr. Unter dem Motto „Nie wieder still – nie wieder unsichtbar“ wurde gefeiert, demonstriert und ein Zeichen für Akzeptanz und Gleichstellung gesetzt.

Inhaltsverzeichnis:

Maik und Mark aus Braunschweig

Viele Teilnehmende reisten von außerhalb an. Darunter Maik und Mark aus Braunschweig. Die beiden erschienen in auffälligen Palmeninsel-Kostümen und zogen damit zahlreiche Blicke auf sich. Für sie sei die bunte Präsenz entscheidend. Göttingen unterscheide sich aus ihrer Sicht von anderen Veranstaltungen, da der Spaß im Vordergrund stehe, ohne auf Ernsthaftigkeit zu verzichten.

Regenbogenfarben in der Innenstadt

Der Umzug begann mit 45 Minuten Verspätung am Neuen Rathaus. Die Route führte über die Bürgerstraße, Berliner Straße und Goetheallee zum Gänseliesel. Dort fanden erste Redebeiträge statt. Anschließend ging es über die Rote Straße und Wendenstraße bis zum Albaniplatz. Dort organisierte der im Frühjahr gegründete Verein CSD Göttingen ein Straßenfest mit Musik, Comedy, Drag-Show und weiteren Beiträgen.

Besonders präsent waren die Regenbogenfarben. Flaggen, Schirme und Bemalungen bestimmten das Bild. Neben den bunten Symbolen gab es auch provokante Outfits, wie es bei einem CSD üblich ist.

Wichtige Programmpunkte

  • Musik- und Comedyauftritte
  • Drag-Show auf der Hauptbühne
  • Beiträge verschiedener Organisationen
  • Straßenfest mit Infoständen

Rede von Renelopé Fauxwell

Die Göttinger Drag Queen Renelopé Fauxwell eröffnete das Bühnenprogramm. Sie erinnerte an Forderungen aus früheren Jahren. Seit 2019 wurden wiederholt Anliegen an die Politik gestellt, darunter die langfristige Finanzierung queerer Institutionen, All-Gender-Toiletten, Sensibilisierung in der Pflege sowie die Erfassung queerfeindlicher Gewalt. Laut Fauxwell sei die Reaktion der Kommunalpolitik jedoch meist unverbindlich geblieben.

Kernforderungen der Community

  1. Nachhaltige finanzielle Unterstützung für queere Einrichtungen
  2. Einführung von All-Gender-Toiletten in Schulen und Behörden
  3. Mehr Sensibilisierung im Bereich Pflege
  4. Systematische Erfassung queerfeindlicher Straftaten

Fauxwell kritisierte, dass es stattdessen oft nur bei symbolischen Gesten wie bunt bemalten Bänken bleibe. Die Politik schmücke sich gerne mit dem CSD, setze aber zu wenige konkrete Maßnahmen um.

Kritik an fehlender Unterstützung

Fauxwell betonte, dass in Zeiten des Rechtsrucks die Unterstützung der Politik unverzichtbar sei. Sie verwies auf Beispiele aus Regensburg und Gelsenkirchen, wo CSDs aus Sicherheitsgründen abgesagt oder verkürzt werden mussten. Der Hinweis sollte zeigen, dass der Schutz von Veranstaltungen weiterhin von Bedeutung ist. Ein CSD sei nicht nur eine Feier, sondern in erster Linie eine politische Demonstration.

Darüber hinaus äußerte Fauxwell Kritik am Begriff „Ally“. Sie stellte klar, dass Verbündete nicht nur an queeren Partys teilnehmen sollten. Ally sein bedeute, Solidarität im Alltag zu zeigen, Zivilcourage zu üben und gemeinsam mit der Community auf die Straße zu gehen.

Geschlossene Botschaft an Göttingen

Zum Ende der Rede rief Fauxwell die Menschen auf, gemeinsam laut und bunt Präsenz zu zeigen. Die Menge reagierte mit starkem Applaus. Das Ereignis zeigte, dass der Christopher Street Day in Göttingen nicht nur eine Feier, sondern ein wichtiges Signal für Vielfalt, Rechte und Sichtbarkeit ist.

Quelle: HNA